Die JUSO Baselland und Basel-Stadt kritisieren die Basler Fasnacht als unsicheren Raum für Frauen, queere Menschen und rassifizierte Menschen. Trotz der Verhaltensregeln des Fasnachtskomitees gegen Diskriminierung fehlen echte Schutzmassnahmen. Wie bereits im vergangenen Jahr fordert die JUSO verbindliche Schritte für mehr Zugänglichkeit und Schutz für alle.
Die Basler Fasnacht gilt als traditionsreiches, weltoffenes Fest, an dem alle willkommen sein sollen. Doch die Realität sieht anders aus: Immer wieder berichten Betroffene von rassistischen, sexistischen und queerfeindlichen Vorfällen. Besonders Frauen und queere Menschen sind während den «drey scheenschte Däg» häufig sexueller Belästigung ausgesetzt. Betrunkene Gruppen haben ein erhöhtes Gewaltpotential. Gleichzeitig wähnen sich viele in der vermeintlichen Straflosigkeit von Narrenfreiheit und Anonymität. So werden beispielsweise gezielt junge Frauen mit Räppli gestopft, um die Situation für ungewollte Berührungen auszunutzen.
«Es ist nicht schwierig, konkrete Schutz- und Sicherheitsmassnahmen für alle zu treffen. Was fehlt, ist nicht die Möglichkeit – sondern der Wille eine Fasnacht für alle zu gestalten. Verhaltensregeln allein reichen nicht aus. Ohne strukturelle Massnahmen bleibt es reine Imagepflege.» Aylo Hangartner, Vizepräsident*in der JUSO BL. Zwischen Anspruch und Realität klafft eine gewaltige Lücke. «Wer jedes Jahr von Diskriminierungsfreiheit spricht, muss auch Verantwortung übernehmen.», sagt Aylo Hangartner weiter.
Noch gravierender ist die Situation in Liestal: Die Liestaler Fasnacht verfügt bis heute über kein Schutzkonzept. Es fehlen Awareness-Strukturen und niederschwellige Anlaufstellen für Betroffene. «Das ist kein Versehen, sondern eine bewusste Prioritätensetzung», sagt Janine Oberli, Präsidentin der JUSO BL. «Verantwortung bedeutet, alle Teilnehmenden zu schützen, nicht nur das Fest am Laufen zu halten.»
Besonders alarmierend ist, dass diskriminierende und menschenverachtende Inhalte weiterhin unter dem Deckmantel der Tradition verbreitet werden. «Das diesjährige Beispiel in Plaffeien FR zeigt deutlich, dass rechter Hass und Hetze an der Fasnacht unter dem Schutz der Narrenfreiheit verharmlost und normalisiert werden. Wer wegsieht, macht sich mitverantwortlich», betont Leon Bürgin, Co-Präsident JUSO BS.
Die JUSO beider Basel stellt deshalb dieselben Forderungen an das Fasnachtskomitee und die Regierungen beider Basel wie letztes Jahr:
- Ein Awarenessteam, das während der gesamten Fasnacht niederschwellig Unterstützung bietet
- Eine rund um die Uhr erreichbare Notfall-Hotline
- Klare Konsequenzen für diskriminierende und belästigende Handlungen
- Ein Verbot von rassistischen, sexistischen und ableistischen Kostümen sowie diskriminierenden Cliquen- oder Guggennamen
Zusätzlich fordern die Jungsozialist*innen die Regierungen beider Basel auf, systematisch Daten zu Gewalt- und Diskriminierungsvorfällen während der Fasnacht zu erheben. Nur so könne das tatsächliche Ausmass sichtbar gemacht und wirksam bekämpft werden.
Die Fasnacht kann nur dann ein Fest für alle sein, wenn sich wirklich alle sicher fühlen können. Solange Schutzmassnahmen fehlen, bleibt sie ein Privileg für jene, die sich keine Sorgen um ihre Sicherheit machen müssen!