Papizeit

Blogbeitrag von Maurice Koller

Das rechtskonservative Parlament der Schweiz hat in den letzten Jahrzehnten bewiesen, dass es nicht viel von Feminismus oder Gleichstellung hält. Irgendwann kam dann glücklicherweise doch das Frauenstimmrecht, zwei grosse Frauen*streiks bewegten jeweils über eine halbe Million Menschen und Vorlagen wie die Ehe für alle finden auch immer mehr Anklang. Im Nationalrat wurde nun kürzlich ein zweiwöchiger Vaterschaftsurlaub beschlossen. Ein Erfolg für die Linken, aber vor allem auch eine Entlastung für abertausende Familien, die auf diese Entscheidung gewartet haben. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Kampf den wir führen, beendet ist.

 

Schaut man sich nämlich die Zahlen aus den umliegenden europäischen Ländern an, finden wir uns relativ schnell ganz am Ende der Rangliste wieder. Wir hinken nicht nur nach, wir waren bis vor kurzer Zeit das einzige europäische Land, welches weder Vaterschafts- noch Elternurlaub kennt. Unser nördlicher Nachbar Deutschland hat zwar keinen expliziten Vaterschaftsurlaub, gewährt aber seinen Bürger*innen eine Elternzeit über 36 Monate, welche zwischen den Partner*innen aufgeteilt werden kann. Wirft man einen Blick darauf, wie die Elternzeit genutzt wird, zeigt sich, dass ca. 30% der Zeit von Männern beansprucht wird. Das sind ca. 30% mehr als bei uns. Diese Zahl liesse sich mit der vermehrten Möglichkeit Teilzeit zu arbeiten oder einer Arbeitszeitverkürzung auch noch erhöhen.

 

Genau deswegen ist der Vaterschaftsurlaub ein feministisches Anliegen. Männer sollen genau so die Möglichkeit erhalten, für das Wohl ihres Kindes zu sorgen. Das ist also längst keine radikale Forderung, sondern lediglich ein Umsetzen elterlicher Bedürfnisse. Die Erziehung wird in der Schweiz zu einem überwältigenden Teil von Frauen übernommen. Wer oder was spricht dagegen, den Eltern eines Kindes die Möglichkeit zu geben, selbst zu entscheiden, wann sich wer um das Kind kümmern soll? Bis jetzt sind es noch alte, weisse Männer, die sich in ihren Ratssesseln gegen jeglichen sozialen Fortschritt stemmen und die Interessen der “Wirtschaft” vertreten. Doch ohne uns alle gäbe es keine Wirtschaft.

 

Es braucht also einen Wandel. Wenn nicht vom System, dann immerhin vom Parlament in Bern. Deshalb kandidiere ich, gemeinsam mit vielen anderen linken Menschen, am 20. Oktober für den Nationalrat.

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