Gleich ist nicht gleich gleich

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – die Schlagworte der Französischen Revolution stehen
heute in jedem Lehrplan. Fälschlicherweise interpretieren wir das einprägsame Trio gerne
als Ausdruck linker Geisteshaltung. Im selben Atemzug mit der nur auf Männer
beschränkten Solidarität – der Brüderlichkeit – verkommen die urlinken Anliegen der Freiheit
und Gleichheit jedoch zu einem schlechten Abklatsch ihrer selbst.
Freiheit ist niemals exklusiv. Wenn der Genuss von Freiheit die Unfreiheit eines
Mitmenschen bedingt, haben wir dafür ein treffenderes Wort – Privileg. Die Freiheit der
Brüder alleine ist nur eine klare Verteilung von Macht und ihre Gleichheit bedarf eines
Antagonisten, des Anderen, des Weiblichen.
Gerne wird der feministischen Menschenrechtsbewegung vorgeworfen, die offensichtlichen,
wissenschaftlich erwiesenen Unterschiede zwischen den zwei kulturhistorisch entstandenen
Polen des binären Geschlechtersystems – Mann und Frau – zu ignorieren und die
Menschen einer identitätsraubenden Gleichmacherei auszusetzen. Mann und Frau seien
eben nicht gleich und damit werde auch die Gleichbehandlung ihren verschiedenen Naturen
nicht gerecht.
Es ist an uns, das Ideal der Gleichheit nicht dieser absichtlich missverständlichen Definition
reaktionärer Kreise zu überlassen. Wenn wir von Gleichheit sprechen, bezeichnen wir
Individuen nicht als ein und dasselbe, sondern vielmehr als gleichberechtigte Teile des
gleichen Ganzen.
In den aktuellen Debatten wird meist das kleine Geschwister der Gleichheit ins Feld geführt
– die Gleichstellung. Wenn von Gleichstellung gesprochen wird, ist von gleichen Löhnen,
von gleichen Rechten, vom gleichen Anspruch auf Sicherheit die Rede.
Im bürgerlichen Diskurs wird Gleichstellung als Aushang für ein liberales, modernes
Gesellschaftsverständnis verwendet. Umstritten ist anscheinend nur noch, ob wir diese
ominöse Gleichstellung bereits erreicht haben oder ob frau nicht einfach biologisch bedingt
schlechter um ihre Entlöhnung verhandelt.
Mit dieser scheinbaren Gleichstellung dürfen wir uns nicht abspeisen lassen, denn die
entscheidenden Fragen werden dabei nicht gestellt:
Wie hoch sind diese gleichen Löhne? Welche gleichen Rechte stehen uns zu? Wovor sind
wir gleichermassen sicher?
Ich fordere nicht, dass Frauen und Männer schlicht im selben Ausmass von ökonomischer,
politischer und gesellschaftlicher Gewalt betroffen sind, sondern die Befreiung aller
Menschen von jeglichen Formen der Unterdrückung.
Feminismus ist das Bekenntnis, dass Gender und Sexualität massgebliche Faktoren sind,
nach denen die Härte und die Gestalt der Repression definiert wird. Wir dürfen nicht müde
werden, die Ableger der grossen, globalen Ungerechtigkeit im Kleinen zu erkennen. Es ist
nicht vernachlässigbar, wie öffentliche Toiletten beschriftet sind, oder dass Tampons höher
besteuert werden als Katzenstreu. Das Aufbäumen gegen Sexismus, Misogynie,
Diskriminierung, Queer- und Transfeindlichkeit darf nicht nur beim Women's March in
Washington, während des Frauen*streiks am 14. Juni oder in den Sozialen Medien
stattfinden, sondern auch zwischen Schönebuech und Ammel.
Darum Liste 2 in den Landrat wählen am 31. März 2019 – Baselbiet feministisch!

Anna Holm, Landratskandidatin Wahlkreis Muttenz-Birsfelden

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