Sinnlose Diskussionen oder was mich manchmal wütend macht

Blogeintrag auf unserer Wahlkampfwebseite von Landratskandidatin Lisa Degen vom 27.12.2014

Kürzlich entschied ich mich, eine Diskussion zum Thema Feminismus zu führen, obwohl mir bewusst war, dass ich mein Gegenüber wohl kaum von meinem Standpunkt überzeugen kann (und umgekehrt schon gar nicht). Es war also eigentlich das, was ich normalerweise unter „Sinnlose Diskussion“ verbuchen würde. Und trotzdem: Gewisse Aussagen kann ich nicht unwidersprochen stehen lassen, weil sie mich einfach nicht kalt lassen. Gewisse Themen machen mich unglaublich wütend und dann kann ich meistens nicht schweigen.

Die Hauptaussage meines Diskussionspartners war, dass Frauen in der heutigen Gesellschaft bevorzugt behandelt werden gegenüber den Männern und dass Feministinnen (von der Existenz nicht-weiblicher Feministen ging mein Gegenüber offenbar gar nicht aus) allesamt hysterische Spinnerinnen sind, die Männer grundsätzlich hassen. Als Beispiel für die Bevorzugung führte er unter anderem die höhere Lebenserwartung und die Mutterschaftsversicherung an.

Lisa DegenZudem musste ich mir anhören, dass Frauen in der Arbeitswelt nicht benachteiligt sind, da es ja auch Männer mit niedrigen Löhnen und schlechten Arbeitsbedingungen gibt und ich mich lieber für „wirklich unterdrückte Frauen“, zum Beispiel die von Boko Haram entführten Mädchen in Nigeria, einsetzen sollte.

 Zuerst einmal: Klar, es gibt Frauen auf diesem Planeten, denen es tausendmal schlechter geht als mir oder irgendeiner durchschnittlichen Schweizerin. Das ist entsetzlich und ich unterstütze alle, die daran etwas ändern möchten. Aber dennoch ist es noch lange kein Argument gegen echte Gleichstellung in der Schweiz, genau so wenig wie die anderen Argumente meines Gegenübers.

Die höhere Lebenserwartung der Frauen ist wahrscheinlich das dümmste, was ich in diesem Zusammenhang jemals gehört habe (und das sagt einiges aus). Klar, Frauen leben absichtlich länger, nur um den Männern eins auszuwischen. Und was träumen Sie nachts?

 Die Mutterschaftsversicherung ist zwar tatsächlich nicht besonders gleichberechtigend für die Eltern (aus diesem Grund unterstütze ich auch einen Elternurlaub). Aber sie bildet eine gesellschaftliche Realität ab, nämlich, dass es hauptsächlich die Frauen sind, die nach der Geburt zu Hause bleiben und danach manchmal für Jahre ihren Beruf ganz aufgeben. Diese Realität, die in weiten Kreisen der Gesellschaft praktisch als selbstverständlich, ja geradezu als natürliche Ordnung angesehen wird, will ich hinterfragen.

Was die tiefen Löhne und schlechten Arbeitsbedingungen angeht: Ja, natürlich gibt es auch Männer mit tiefem Einkommen. Trotzdem gelten gut bezahlte Berufe noch immer eher als „männliche“ Arbeit, während typische „Frauenarbeit“ fast ausnahmslos zu tief (oder im Falle von unbezahlter Care Arbeit gar nicht) entlöhnt wird. In allen Fällen profitieren die Chefs von den tiefen Einkommen (ob bei Frauen oder bei Männern), von Gratisarbeit und prekären Arbeitsbedingungen.

Wenn wir ernsthaft als Gesellschaft mit der Haltung ‚Ist ja nicht so schlimm, wenn ich ungerecht behandelt werde, andere werden auch schlecht behandelt‘ an diese Frage (oder eigentlich an jede Frage) herangehen, können wir gleich einpacken. Als Sozialistin setze ich mich selbstverständlich für alle ArbeiterInnen und Lohnabhängigen ein, insbesondere für solche im Tieflohnbereich oder unter anderen unfairen Arbeitsbedingungen.

Anstatt Männer und Frauen gegeneinander auszuspielen, muss das Ziel sein, dass sich alle Menschen in diesem Kanton, in diesem Land und auf diesem Planeten ihr Leben nach ihren Vorstellungen gestalten können, wobei die Freiheit des Einzelnen nur so weit gehen darf, wie sie die Freiheit eines anderen nicht berührt. Dafür setze ich mich ein.

Lisa Degen, Landratskandidatin, Itingen, Wahlkreis Sissach

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