„This was the best evening in Switzerland ever.“

Blogbeitrag von Nils Jocher, Vorstand JUSO BL

Ein kurzes Telefonat: Du, ich, heute, Party, jetzt. Ein kurzer Sprint zum Zug. Schwer atmend setzen wir uns nieder, öffnen ein Bier und starten in die Nacht. Wie sich herausstellt wollen unsere Sitznachbarn im Bus, der uns durch das Oberbaselbiet kutschiert, an die gleiche Party. Wir lachen, tauschen uns aus, verpassen fast die Station und irren alle gemeinsam durch das kleine Örtchen auf der Suche nach unserem Ziel.

Ein paar Verwirrungen gab es mit Palden an diesem Abend schon, man könnte ja wirklich meinen er sei Austauschstudent. Obwohl wir beide fremd waren an dieser Party stellte ich ihn kurz vor – er ist eben erst seit kurzer Zeit in der Gegend. Es gab einige erstaunte Gesichter, Besuch aus Tibet bekommt man ja nicht alle Tage. Wir tranken Alkohol. Wir rauchten. Wir tanzten. Wir redeten. Wir philosophierten über Gott und die Welt, verteufelten den Kapitalismus und diskutierten über aktuelle politische Themen. Er erzählte von seiner Reise, seiner Familie, seinem politischen Engagement.

Alle gemeinsam begaben wir uns auf den Nachhauseweg, lungerten gefühlte Ewigkeiten am Bahnhof rum weil wir einen schlechten Anschluss hatten und nickten im Zug dann fast ein. Ein Handschlag, ein lockeres „Ciao, see you next time“ und unsere Wege trennten sich. Ich in mein Zimmer – er ins Asylheim.

Polizeigewalt, Folter und Mord(drohungen), weil man für die Menschenrechte einsteht sind in Tibet gang und gäbe. Die chinesische Überwachung ist gewaltig und eine Flucht kein simples Unterfangen. Sein Vater hat Land verkauft – dann ging es zuerst mit dem Auto quer durch Tibet und mit langen Fussmärschen in das Herz Nepals. Gewandert wurde nur nachts, am Tag wäre die Gefahr zu gross gewesen. Mit einem gefälschten Pass flog er in die Schweiz. Sein Whatsapp-Anzeigebild zeigt seine kleine Schwester, die er so sehr vermisst. Anrufen zuhause kann er nur alle paar Monate, damit die Chinesen es nicht merken.

Wie wäre es mit etwas mehr Herz? Wie wäre es mit Neugier anstatt Vorurteilen? Und wie wäre es, einzusehen, dass wir doch alle einfach Menschen sind?

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