Ein Muslim ist nicht gleich Islamist

Blogeintrag auf unserer Wahlkampfwebseite von Endrit Sadiku vom 08.01.2015

Seit einiger Zeit sorgen Vorkommnisse in relativ kurzem Abstand dafür, dass der Umgang mit Muslimen in der Schweiz sich verschlechtert. Ereignisse, wie der Ende November erschienene Weltwoche-Artikel „Der Schatten des Ostens“, indem der Koran als Anstifter zum Krieg beschrieben wird, Schweizer Jugendliche flüchten radikalisiert zum IS oder der vorgestrige Anschlag in Paris, in einem Satiremagazin, ziehen ihre Kreise, erhitzen die Gemüter und machen betroffen. -Die Gesellschaft ist erschüttert.

Schon in der Gesprächssendung „Talk Täglich“ von Tele Zürich, welche Anfang Dezember anlässlich des Weltwoche-Artikels ausgestrahlt wurde, konnte man förmlich nach der Angst einiger Zuschauer gegenüber dem Islam greifen. Eine Frau schaltete sich telefonisch in die Sendung ein und liess mit zitternder Stimme folgendes verlauten: „Der Islam will einfach alles unterwerfen und die Weltherrschaft…!“, und legte ganz emotional auf, ohne eine richtige Frage gestellt zu haben. Fast schon apokalyptisch diese Szenerie.
Es sind dies Statements von einfach gestrickten Menschen, die schnell den Aussagen eines Andreas Thiels, der eben Gast im „Talplakat_juso17k Täglich“ war und Autor des besagten Artikels ist, blind folgen.
Na gut, der Sender hatte es den Zuschauern auch nicht einfach gemacht, indem sie neben Thiel, auch in der Person von Qasim Illi, vom Islamischen Zentralrat Schweiz, einen zweiten radikalen Geist in die Sendung aufgeboten hatten.
Und klar, der IS ist Realität, die bekämpft werden muss. Auch der aktuelle Anschlag darf unsere Freiheit nie in Frage stellen und die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden, aber zur Erinnerung: Momentan stehen 50 Personen in der Schweiz unter der strengen Beobachtung des Nachrichtendienstes des Bundes, notabene bei einer muslimischen Bevölkerungsgruppe von ca. 400’000 Leuten – also 0.0125% .
Nur weil diese Fundamentalisten diese schrecklichen Morde begehen, muss das noch lange nicht heissen, dass alle Muslime so ticken, nur weil sie alle vom gleichen Koran lesen. Dass man hier dann alle einfachheitshalber in den gleichen Topf wirft, ist grundlegend falsch. Was dadurch erreicht wird ist, dass diese Personen sich noch unwohler und an den Rand getrieben fühlen. Diese Ausgrenzung führt eben zu dieser Radikalisierung – genau das, was vermieden werden sollte!
Das gesuchte Lösungswort heisst: Integration! Dies ist eben in Frankreich das Problem. Die Menschen radikalisieren sich nicht ohne Grund, sondern weil ein Missstand dem vorhergegangen war. Es gibt für alle Menschen, egal welchen Glaubens, nichts schlimmeres als Perspektivlosigkeit.

Doch darf auch bezweifelt werden, dass der auferstandene Andreas Thiel, ein echter Theologe ist und wie viel er vom Koran effektiv verstanden hat. Viel eher liegt da die Befürchtung nahe, dass dieser sich nach mediale Aufmerksamkeit gesehnt und nun eine Marktlücke für sich gefunden hat, als selbsternannter Politsatiriker.
Schliesslich leben, nochmals, 99.9% der Muslime in der Schweiz friedlich, sind hervorragend integriert und bereichern so die Schweiz sehr angenehm.

Nichtsdestotrotz, ein Nachspiel könnte diese ganze Angelegenheit allemal haben: Dass etwa durch den Anschlag in Paris oder durch solch unbedachten Auftritte von schrägen Vögeln wie Thiel, andere Leute in der Schweiz sich in ihrer Ansicht bestätigt fühlen, aufstehen und sich dieser Meinung lautstark anschliessen. Eine Schweizer Pegida-Edition wäre nämlich verheerend und Gift für den sozialen Frieden. Hoffen wir daher, dass diese Geschichte keine grösseren Kreise zieht, da das Zusammenleben bisher sehr gut war und es sich um Einzelfälle handelt.

Endrit Sadiku, Landratskandidat, Füllinsdorf, Wahlkreis Pratteln

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